Ode an die Badewanne

Veröffentlicht auf von Tasha

An Tagen wie gestern weiss ich, dass die Entscheidung meine Wanne zu behalten eine sehr gute war!
Keine gewöhnliche Badewanne, eine mit der Leute über 60 ihre Probleme haben, weil man ab einem gewissen Alter eine Leiter braucht um hinein zugelangen.
Schleppt man 10 - 20 mal täglich den Klops von einem Mister, da jubiliert der Rücken gerne mal!
Vor genau einem Jahr hiess es, das Badezimmer "behindertengerecht" umzubauen. Ich weiss gar nicht mehr, wie viele Sanitärfritzen ich hier hatte und bis auf einen, haben alle die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und fluchtartig die Örtlichkeit verlassen.
Meine Extrawünsche waren den Herren nicht genehm!
Ich wollte meine Wanne behalten..... tja, wenn da nicht da klitzekleine Problem gewesen wäre, dass das ganze Bad 10cm tiefer gelegt werden musste und die Herren Angst hatten, das die Teile, die bestehen bleiben sollten abrutschen würden, ergo mehr kaputt gehen könnte, als dass sie gut machen wollten.
Das Badezimmer ist genauso alt wie das Haus, um die 70 Jahre! "Was willst du mit dem Scheiss... das wird so viel teurer als wenn man es komplett erneuert... schmeiss den Dreck raus....."
Das Abenteuer Badumbau begann und ich sollte schlussendlich recht behalten. Es funktionierte!
Wenn auch als wirklich abenteuerliches Unterfangen!
Man rüstete auf, um den Fussboden abzutragen. Wir wollten so 20cm tiefer als notwendig, um "wenn schon, denn schon" noch zusätzlich eine Fussbodenheizung zu legen. Wir waren auf alles gefasst, nur nicht auf das, was folgte. Nachdem der Presslufthammer den ersten Teil des Sockel zu fassen hatte, tat sich nach nur einigen Zentimetern nackter Mutterboden auf. Früher nahm man es mit Dingen wie Fundamenten, in der Art wie es sie heute gibt, nicht so genau!
Das Grauen nahm seinen Lauf und nach wenigen Stunden waren alle festen Bestandteile des Bodens abgetragen und ich hätte mitten im Bad ein schönes Blumenbeet setzen können ;)
Was nun hiess, diesen eher ungewöhnlichen Untergrund nach eventuell vorhandenen, irdisch verlegten Zu- und Abwasserrohren abzususchen. Man fing an zu buddeln um danach Ausschau zu halten und nachdem man sich halb in Richtung Erdmittelpunkt gegraben hatte, stiess man auf die ersten. Oder vielmehr das, was von ihnen Übrig war... Wenn nicht isolierte Rohre uber ein halbes Jahrhundert in der Erde liegen, hat man, wenn man diese dann freilegt binnen kürzester Zeit einen Indoorpool. Will sagen, die wurden die letzten 20 -30 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach nur noch durch den Erddruck zusammengehalten. Hat auch nicht jeder.... und die Gefahr, dass der Teil des Bades, der erhalten bleiben sollte, nun doch abzurutschen drohte, stieg mit jeder Minute. Nach gut einem Meter hatten wir auch die letzten Rohre freigelegt und dort wo einst mein Bad war, klaffte nunmehr ein 1 Meter tiefes Loch von ca. 8qm² bis zu einem drittel mit Wasser gefüllt.. War schön, ja! War schön!

Das Drama nahm seinen Lauf... durch mein Haus liefen 2 völlig überforderte Wasserinstallateure. Einem Nervenzusammenbruch nahe.... und ich erst. Wir haben ein Eintoilettenhaus! Es macht Spass zum Püschern gehen die Nachbarschaft zu behelligen ;)
Als nach einer geschlagenen Woche dann der Meister mit dem neuen WC in Richtung Bad an mir vorbeilief, fiel ich auf die Knie und lief auf eben diesen hinter ihm her und als er sagte, ich könne es sogar an dem Tage noch benutzen, küsste ich den Boden auf dem er ging... Ich bin echt kein Luxusweib aber soviel muss schon sein. Ich war glücklich!
Eine weitere Stunde später kam er freudestrahlend zu mir und erklärte wenigstens die Toilette sei einsatzbereit, als ich auch schon die Spülung hörte.... Der Geselle kam raus und ich sah noch, wie er seinen Reissverschluss hochzog. Ich sah ihn an: "Na? Schön reingeknallt? Ich wollte mein Klo selber einweihen...."
Aber ich war trotzdem glücklich! Ich bin ja hart im nehmen und habe in der Zeit das Bad, resp. die umbuddelte Wanne genutzt. Ist echt gemütlich, so in zwischen all dem Erdreich!

Ja es war aufregend aber wenn ich wie gestern in der Wanne liege - und die ist wirklich tief, sooo tief, dass ich drinnen sitzend nicht über den Rand schauen kann - weiss ich, dass es den Stress wert war.

Ein weiterer Aspekt, der eigentlich gegen diese Wanne sprach war die Vorglühzeit. Wie das bei Gusseisen so ist, das dauert bis es die Wärme annimmt. Nur eben mal spontan Wasser einlassen und reinsetzen ist nicht. Dann sitzt man zwar im warmen Wasser, jedoch friert einem der Hintern unten an der Wanne fest! So eine gute Stunde Geduld braucht man schon. Der Vorteil widerum an Gusseisen ist, dass wenn an mittags Wasser einlässt, kann man es bis Abends stehen lassen und es ist immernoch heiss!

Ach ja... ich mag meine Wanne! Dafür habe ich jetzt aber ein Klo, bei dem ich draufsitzend keinen Bodenkontakt finde. Irgendwas is ja immer und wenn man nicht viel grösser als ein sitzendes Hausschwein ist, kommt sowas eben von sowas ;)


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Veröffentlicht in Passiert eben

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B
Gibt es Fotos? Zur Not auch ohne sitzendes Hausschwein auf der Toilette, aber neugierig auf das Wannenmonstrum bin ich jetzt schon. Und: Congratulations, das Haus steht noch! Für die Königin der Fettnäpfe gar nicht so übel, finde ich :o)
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T
<br /> die kann ich sicherlich machen. dafür sollte ich sie zuvor aber nochmal sauber machen ;)<br /> <br /> <br />
S
Tasha, du musst wirklich keine Weltreise unternehmen, um gefährliche Abenteuer zu bestehen...Bei dir passiert das alles im Haus...Was für ein Stress!
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K
Kann mir richtig gut vorstellen, wie das mit dem Umbau abgegangen ist. Aber es gibt tatsächlich nichts schöneres, als eine echte gußeiserne Wanne, Nostalgie und Spass pur..Und ja, mit behinderten gerechten Umbauten, das kenne ich. Davon haben viele Fachfirmen keine Ahnung, weil sie sich einfach nicht in Menschen mit Behinderungen hieneinversetzen können, meistens gar nicht wollen. Dabei ist das so einfach und muß auch nicht mal viel teuerer sein, wenn man denn weiß, wie es geht.Lieben Gruß und weiterhin viel Freude in und an Deinem Pool.Kvelli
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