One Weekend with Tasha
Gestern früh klopfte es an die Türe und Dee stand mit schwerem Gerät vor mir. "Wollen wir das Loch bohren?"
Aber sicher, Montag werden die Rohrteile zurecht geschnitten und geschweisst, Mittwoch kommt der schwarze Mann, also muss das ja fertig...
Es ist ja nicht so, dass Dee mir solche Arbeiten nicht alleine zutrauen würde, aber er hatte schon ein wenig Angst um seinen Schornstein. Da laufen zwei Züge parallel, ein Zug für die Öfen, ein anderer für die Heizung und beide nicht breiter als 12cm. Sein Haus, also lass ihn man messen.... Was tun wenn man keinen Kreisschneider hat? So ein Ding bekommt nicht unter einem dreistelligen Betrag und da ich von Natur aus geizig bin, hielt ich es für angebracht, dass man ja um die Markierung herum bohren könnte. Loch neben Loch und irgendwann ist man dann rum und das klappte erstaunlich gut. Früher war Sand ja bekanntlich billiger als Zement und so erlebt man in so einem alten Gemäuer schon mal die eine oder andere Überraschung, wenn man ihm mit einer Bohrmaschine zu Leibe zückt.
Das Loch war ohne weitere Vorkommnisse gebohrt und die einzelnen Teile rausgestämmt, wodurch der Mister gegen 10Uhr dann mittlerweile auch wach wurde. Ergo - Pause und dem Mann in die Puschen helfen. Ich wollte nun nicht in der Chaosküche sitzen und frühstücken und musste so eben den Durchgang räumen um den Mister durchschieben zu können. Also Leiter raus, schnell fegen und kurze Pause!Ich war nun soweit, dass ich das Rohr einschlämmen konnte. Da ich an alles dachte, nur nicht an Mörtel griff ich nach Absprache mit Dee auf im Keller gefundenen Blitzzement zurück. Welche Eigenschaft hat Blitzzement? Richtig, er härtet in kürzester Zeit aus. Was mich nun nicht davon abhielt, den Zement anzurühren, bevor ich die Leiter wieder aufstellte und mich um Handschuhe kümmerte. Nachdem ich nun alles organisiert hatte und auf die Leiter stieg... war das Zeug fest. Innerhalb von ca. vier, fünf Minuten - das nenne ich wirklich blitzverdächtig! Noch mal vor vorne und dann flutschte es auch langsam. Im wahrsten Sinne des Wortes, da es keine Werkzeuge gibt, mit denen man im Zuginneren arbeiten kann, hiess es die Finger nehmen.
Schlau wie ich bin dachte ich mir, was mit Sahne geht, geht auch mit Beton und so goss ich die Pampe in einen Gefrierbeutel und schnitt eine Spitze ab. Gute Idee! So bekam ich das Zeug recht gut in die Ritzen. Das klappte bei der ersten Ladung, bei der zweiten auch noch aber nach der dritten gingen mir die Gefrierbeutel aus und als Alternative griff ich auf Müllbeutel zurück. Das geht auch ganz gut, aber nur solange, bis man zu fest drückt! Dann platzt so eine dünne Tütte auch mal gerne und der Zement läuft dann die neu gestrichene Wand hinunter. Aber auch kein Problem, weil Tasha ist ja schlau und so hat Tasha, ob des Wissens des bevorstehenden Ofeneinbaus, ausreichend Farbe zum ausbessern übrig behalten! Bin ich gut?
Nun war ich langsam in Zeitnot. Der abermals verschobene Friseurtermin sollte heute nun endlich stattfinden! Ich bin ja genügsam und solange ich mich mit einem Baseballcap für ausserhäusige Erledigungen über Wasser halten kann, geht das irgendwie aber gestern war es dann tatsächlich soweit. Ich konnte mich, in anbetracht der erledigten Arbeit selbst riechen und zog es vor, die Friseurinnennase davor zu verschonen und hüpfte eben unter die Dusche als sie auch schon in der Türe stand. Ich war höchsterfreut in baldiger Zukunft tatsächlich wieder ein menschenähnliches Aussehen haben zu dürfen... als das Handy klingelte: "Hi Nattie, wie siehts aus? Wollen wir heute die Mister-M.Deckenaufhängung machen?" Es war Frau B., der eigentlich Herr B. ist aber aufgrund seiner Telefonleidenschaft nur mehr Frau B. genannt wird.
Aber sicher! Was aber hiess - ich war wieder in Zeitnot! Nicht dass Frau B. nicht alleine anfangen könnte, solange ich stillsitzen musste aber ich wollte wenn irgend möglich vermeiden, dass Mann mich frisch gewickelt zu sehen bekommt. Ich bin relativ schmerzfrei aber das ist so meine persönliche Grenze und ich hatte Glück. Frau B. und Frau Friseurin gaben sich die Klinke in die Hand.
Also weiter ins Büro und überlegen ob wir ohne grössere bauliche Massnahmen die tragenden Deckenbalken finden. Sinnlos! Sowohl von unten als von oben war nicht zu erkennen. Die Dielen oben sind Nagelfrei verlegt, unten die störende Deckenverkleidung und so hatten wir nur eine Möglichkeit und zwar die, die Frau B. von Anfang an in Erwägung zog!
Vor ca. einem halben Jahr fing ich an das Büro, Therapie, Vielzweckzimmer zu renovieren. Frau B. fragte, was ich denn da sinnentleertes tun würde. Na, wie überall die schöne Eiche rustikal Holzvertäfelung überstreichen? "Ja klar," bekam ich zur Antwort, "damit ich die bei der Balkensuche dann abreisse und du dann nochmal streichen darfst?"Also lag das Zimmer das letzte halbe Jahr halbfertig vor sich hin und siehe dar! Frau B. hatte recht und die Decke musste runter. Gesagt, getan... und wie wir so beim Decke abreissen waren höre ich vor meinem Fenster eine männliche Stimme rufen:
"Oberschwester Hildegart, lassen Sie mich mal rein?"
"Frau B.? Haste was gehört?"
"Das war nicht für dich!"
"Ok...."
"Oberschwester Hildegart? Lassen Sie mich mal raaaahein?"
"Ach du Scheisse, dass kann nur "Einer" sein...."
Ich ging um die Ecke und es was nur "Einer"! Ein echt lieber Kerl, den ich aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Hugh Laurie, nur 20 Jahre jünger, nur Doc House nenne und den ich "real" eigentlich gar nicht kenne. Also nur via Mail oder Telefon aber ihm schien langweilig und so dachte er, mich mit einem Spontanbesuch überraschen zu können. Was ihm auch gelang!
Naja, 300 Kilometer für einen Kaffee war doch schon ziemlich spontan aber es war witzig, nett und so hatte auch Frau B. tatkräftige Unterstützung. Ich dachte dann, dass arbeitende Bevölkerung auch ein Anrecht auf Nahrung hätte, der Mister sass auch mit knurrendem Magen und so wollte ich den Herren eine Pizza machen.
Es gibt Dinge, da bin ich von Natur aus faul! Warum Hefeteig machen, wenn die von Knack und Back das doch viel besser können? Surprice, surprice... Die Rolle war im Kühlschrank hochgegangen und ich dachte wenn denn Doc House 300km herfährt, muss er auch die örtlichen Sehenswürdigkeiten kennenlernen und so wies ich ihn nett bittend den Weg zu Sky inklusive genauer Wegbeschreibung zum Regal mit den Knack und Back Pizzateig Rollen!
Noch bevor die Pizza fertig war, verabschiedete sich Frau B. Er war soweit fertig und wollte sich noch mit Freunden zum Grillen treffen und den Rest heute machen.
Oh... heute waren wir aber zum Kaffeebesuch bei der Besten eingeladen?!
Also der Besten absagen, woraufhin sie ihr Erscheinen hier zusicherte!
Aber zurück zu gestern. Mein Mister war zeitig müde. All das über das übliche Mass hinausgehende Gewusel und der Lärm liessen ihn früh ins Bett gehen wollen. Der 300km-Mann und ich sassen noch lange, erzählten uns die neuesten Gruselstorys und man beschloss, dass er die Rückfahrt erst heute früh machen würde. Es war spät geworden und übers Sabbeln und nebenbei Assi-Atze gucken schlief die Dame des Hauses unhöflicher Weise auf dem Sofa ein. Unhöflich deswegen, weil der 300km-Mann sich dann unplanmässig mit einem sesselähnlichem Zweiersofa als Übernachtungsmöglichkeit anzufreunden hatte!
Das allerschlimmste aber war, dass der Cappu bei all den unangemeldeten Menschen frühzweitig zur Neige ging und ich nun auf Entzug sass, da keine Minute Luft war es zu Aldi zu schaffen.
Das Elend nahm seinen Lauf....
Ich bin nun in einem Alter, da so eine Nacht auf dem Sofa nicht unbedingt den Knochen zuträglich ist und so war ich die ersten zwei Stunden in der Früh damit beschäftigt, mich irgendwie zu sortieren und mich mit entcoffinierten Kaffee über Wasser zu halten. Der Mister schlief lange und so hatte ich Zeit mich Pö á Pö gerade zu biegen. Der Besuch verabschiedete sich zeitig und so war ich guter Hoffnung es noch vor dem Eintreffen von Frau B. und der Besten ins 20km entfernte Plön zu schaffen um mir im dort auch Sonntags geöffneten Lidl die schlechte-aber-besser-als-gar-nichts-Ersatzdroge zu beschaffen aber auch das misslang. Die Beste stand vor der Tür und klingelte mich aus dem ausserplanmässigen 10Minuten Mittagsschläfchen.
Die Stunden mit der Besten sind neben unverständlichem Geschnatter vor allem durch nebenbei-in-sich-hineinstopfen-was-da-ist-Anfällen gekennzeichnet! Geplant war, dass sie den frischgebackenen Apfelkuchen mitbringt und gut. Die derzeitige Istlage war eine andere. Ich kochte zeitig das Abend-Mittag für den angemeldet arbeitenden Frau B., und stellte die am Vortag gemachten, jedoch unbeachteten Schwartau-Florentinerzauber-Plätzchen auf den Tisch und war so gewappnet für einen informationsreichen Nachmittag!Also... Die Beste war nun da, als ich sah, dass Frau B. mich versucht hatte telefonisch zu erreichen.... ich rief zurück und er teilte mir mit, dass er noch Baumaterialien bräuchte, die er erst kaufen müsste. Also verschob er sein Erscheinen auf Morgen. Was er noch erwähnte war, dass ich die abmontierte Decke noch unten lassen solle. Was ein Glück, die wollte ich morgen früh wieder anbringen!
Nun hiess es baufreier Nachmittag für den Mister, die Beste und mich... Der Mister war noch immer müde und es verlangte ihm nach einer verspäteten Mittagsstunde. Diese nutzten wir dann um doch noch die Ersatzdroge aus Plön zu holen und wieder angekommen, waren innerhalb einer Stunde insgesamt 6 Becher Droge infiltiert, wie auch gute 70 von diesen Florentiner Plätzchen!
Zwischenzeitlich liess das Verhalten des 4 Monate alten und somit nicht geschlechtsreifen Welpen uns die Vermutung aufstellen, dass wohl irgendwer Viagra in unseren Garten geschmissen haben muss. Das hatte nicht mal mehr ansatzweise was mit Rangverhalten zu tun. Das kleine Tier hat über Stunden versucht auf das grosse weibliche Tier der Besten zu springen und sie zu beglücken. Als er nach mehreren Stunden merkte, dass dies ein auswegsloses Unterfangen war, lief er für die nächsten zwei Stunden in bester George Michael trifft Michael Jackson Manier in die Luft hüftstossend durch die Gegend und liegt jetzt völlig erschöpft und regungsunfähig auf dem Boden unter mir. Nicht mal mehr in der Lage den Kopf zu heben... Wogegen Cara ihre Besitzerin nur noch flehend ansah: "Nach Hause..."An der Fressattacke zumindest hat aber nur der Mister schuld! ER wünschte, dass wir mit dem Kuchen warten, bis er wieder hoch ist! Als er nun soweit war, hielten wir es für eine gute Idee, dass als Arbeitsentgelt für Frau B. angedachte Essen vorab zu essen und zum Nachtisch dann den Apfelkuchen mit einem klitzekleinen Klecks geschlagenen Kuhfetts und jeweils 2, 3 Tässchen Cappu.....
Und jetzt? Jetzt ist mir schlecht und ich bin hundemüde! Die Beste ist vor drei Stunden raus, ich habe zwischenzeitlich einen Rettungsversuch in Richtung Haushaltsordnung gestartet, den Eintrag hier fertig und haue mich jetzt hin um mir mein, bis zum Rande des Erbrechens, gefülltes Bäuchlein kraulen zu lassen.....
Einen schönen Sonntag Abend da draussen ;)
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