Der Marathon-Mann
Kvelli hat Schuld... zum 31. mal nun halte ich Jordy in den Händen und ich möchte ihn hier mit einem kurzen Auszug der geneigten Leserschaft vorstellen...Seit gut sieben Jahren mein Lieblingsbuch, gegen jede Form der schlechten Laune und für jeden, der ebenso flachen Humor wie ich hat, absolut empfehlenswert! Bei Booklooker ab einem Euro erhältlich.
( <--- Zustand leicht abgegriffen bis verdreckt )
" "Gib mir mal die Uzi rüber", plauderte ich die brünette Sport- und Bioreferendarin neben mir an, "dann geben wir dem Männchen da vorn den Gnadenstoss!"
Das 'Männchen' trägt die Startnummer 623 und torkelt in schwerer Seitenlage diagonal über den Asphalt. Geschätzter Raumgewinn alle 10 Sekunden: 5 Meter.
"Halt´s Maul, du Schwachkopf", empört sich die angehende Lehrkraft humorlos, die mir meine Kollegin Charlotte just an diesem Morgen vorgestellt hat: "Immerhin läuft er Marathon, während wir hier nur rumstehen und unsere Körper Brötchen mit Lachs und Sekt verbrennen lassen."
"Smart beobachtet" patze ich zurück, "das ist ja auch die Idee. Wenn diese selbstzerstörerischen Spinner unbedingt 42 Kilometer am Stück laufen wollen, dann darf ich das ja wohl anschauen und entsprechend kommentieren."
Ehrlich gesagt würde ich mir mit dem gleichen Vergnügen auch den Brand eines Kinderheimes inklusive Bergung der Verletzten ansehen, obwohl ich zugeben muss, dass das gastronomische Angebot beim Marathon besser ist. Und Schwerverletzte gibt´s hier auch.
"Du Biokröte", blaffe ich also meine Begleiterin an, "schau dir doch die 623 mal an. Ist das deine Vorstellung von fit for fun? Der Kerl sieht doch aus, als ab er bei Die Nacht der reitenden Leichen ziemlich früh vom Pferd gefallen ist."
"Und du siehst aus, als ob du nciht mal auf ein Shetlandpony rauskämst, Mister Sportreporter!", antworetet sie. Das dumme Ding betrachtet mich wie etwas, das man sonst nur auf einer Sondermülldeponie zu sehen bekommst. Und dann mache ich den Fehler. "Hör zu. Bioschnepfe, wenn ich das wirklich will, dann laufe ich einen Marathon ohne Training. Einfach so!"
"Ohne Training", fragt sie nach.... "
...Jordy schliesst mit der "Bioassel" eine Wette ( Kostenübernahme von Flugtickets nach Rio gegen tägliches einstündiges Lauftraining ) ab und verspricht an dem nächsten Stadtlauf in vier Monaten teilzunehmen.....
" Ich willige ein und denke die nächsten vier Monate nicht mehr daran.
Nun stehe ich umgeben von tausend Exemplaren mit stählernden Beinchen und hunderttausenden begeisterungswilligen Zuschauern mit dünnen Hemdchen und warte auf den Startschuss eines Marathonlaufs, an dem ich tatsächlich teilnehme. Man hat mir die Startnummer 623 zugeteilt. Die Biotrulla stellt mir eine letzte Frage bevor es losgeht: "Nur für alle Fälle: Wie heisst dein Hausarzt?"
"Sehr komsich. Buch du lieber schon den Flug!"
Bald darauf ertönt der Startschuss. Ich setze mich sofort an die Spitze des Feldes und überlaufe im schnellen Trab einen Barfuss-Yussuff von der Elfenbeinküste. Die Menge tobt.
Nach vierhundert Metern halte ich nach der ersten Verpflegungsstation Ausschau. Ein Äthiopier und Yussuff bleiben dran und überholen mich nach 600 Metern.
Nach einem Kilometer immernoch kein Mineraldrinklager in Sicht. Ich sollte das Tempo drosseln.
Bei Kilometer 1,5 überholen mich pro Sekunde ungefähr 18 Läufer. Ich würde mal gern nachrechnen, wie lange es dauert, bis mich selbst die katatonischen Rollstuhlfahrer und alle Läufer mit Blindenhund überholt haben, doch rechnen kann ich nicht mehr. Ich verlege mich derweil aufs Spüren. Endlich lerne ich, was Körpergefühl bedeutet ( es bedeutet, Teile meines Körpers zu fühlen, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren ).
Bei Kilometer 2 füllen sich meine Beine mit Creme Caramel, mein Kopf pocht, in meiner Brust muss ein Presslufthammer ausser Komtrolle geraten sein.
Bei Kilometer 3 verliere ich mein peripheres Sehvermögen.
Bei Kilometer 3,5 stolpere ich kopfüber in eine Zuschauergruppe Sekt schlürfender Magazinjournalisten, von denen einer behauptet, ich würde ihn an seinen kollabierenden Chefredakteur nach einer Squashstunde erinnern. Die Yuppie-Meute schiebt mich zurück auf die Strecke.
Bei Kilometer 3,8 sacke ich endgültig zu Boden und habe die diffuse Absicht, dort für immer liegen zu bleiben. Jahre später höre ich eine Stimme, die angenehm gedimmt in meinen Dämmerzustand vordringt: "Machen Sie sich keine Sorgen", spricht das Biofrettchen, "der überlebt schon. Und im nächsten Jahr ist er besser in Form, das weiss ich zuverlässig." "
Und damit begebe ich mich samt Buch erstmal eine Stunde auf die Küchenbank ;)
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